Ist Wohnriester teuerer als ein normaler Kredit

Apr 1st, 2009 | By Axel Büscher | Category: Veröffentlichungen

Die meisten deutschen Banken und Versicherungen überlassen bei den Wohn-Riester-Darlehen das Feld weitgehend kampflos den Bausparkassen. Geförderte Kredite bieten nach einer Erhebung der Stiftung-Warentest-Zeitschrift “Finanztest” bislang nur wenige Banken und Assekuranzen an. Deshalb verpufft ein Teil der staatlichen Förderung: “Wegen des geringen Wettbewerbs sind Riester-Darlehen im Schnitt teurer als ungeförderte Hypothekenkredite”, sagt Finanztest-Experte Jörg Sahr.
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Nach Berechnungen von “Finanztest” lagen die Top-Zinssätze für Wohn-Riester-Darlehen Anfang März um 0,4 Prozentpunkte über den besten Konditionen herkömmlicher, ungeförderter Hypothekenkredite. Bei einem Darlehen über 200.000 Euro entspricht das einer zusätzlichen Zinslast von 800 Euro im ersten Jahr. Hingegen beträgt die Riester-Förderung bei einer Familie mit einem Kind maximal nur 608 Euro im Jahr. Erwachsene erhalten pro Jahr eine Riester-Förderung von 154 Euro, für jedes bis 2007 geborene Kind gibt es 185 Euro, für ab 2008 geborene Kinder 300 Euro.

Dass Wohn-Riester-Darlehen so teuer sind, liege vor allem daran, dass Banken mit traditionell günstigen Zinsangeboten sich bislang aus diesem Geschäft fernhalten, sagt Finanzexperte Sahr. “Es ist ärgerlich, dass ein Großteil der Förderung durch unnötig hohe Zinsen verloren geht.” Dennoch sollten die meisten Erwerber von Eigenheimen und Eigentumswohnungen nicht auf die staatlichen Zuschüsse verzichten, rät Sahr.

“Wegen der Zulagen und Steuervorteile sind Wohn-Riester-Darlehen für die meisten Käufer langfristig noch immer die günstigere Variante.” Wie hoch der Vorteil genau ausfällt, hänge von der Höhe des Einkommens, des Darlehensbetrags sowie der Zahl der Kinder ab. “Im besten Fall können Familien mehr als 50 000 Euro durch die Wohn-Riester-Darlehen sparen”, sagt der Experte.

Das Wohn-Riester-Gesetz wurde im August 2008 verabschiedet. Weil die Institute Vorlaufzeit für die Umsetzung der Vorgaben benötigten, gingen noch einige Monate ins Land, bis die ersten Produkte an den Markt kamen. Dennoch wurden nach groben Berechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales noch im Jahr 2008 bereits 40 000 Wohn-Riester-Verträge abgeschlossen.

Rund 90 Prozent der Verträge, so heißt es in Finanzkreisen, seien dabei auf die Bausparkassen entfallen. Diese bieten nicht nur Wohn-Riester-Darlehen an, mit denen Familien sofort den Immobilienerwerb mit staatlichen Zuschüssen finanzieren können, sondern auch Riester-Bausparverträge, bei denen bereits die Kapitalbildung von der Bundesregierung gefördert wird. “Die Bausparkassen befinden sich bei Wohn-Riester in der Poleposition”, sagt Alexander Nothaft, Leiter Kommunikation beim Verband der Privaten Bausparkassen (VPB).

Dass Banken und Versicherungen bislang kaum Wohn-Riester-Kredite anbieten, liege vor allem an den hohen bürokratischen Vorgaben, meint Stefan Jokl, Leiter des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (ifs). “Aus Sicht der meisten Banken ist der Beratungs- und Verwaltungsaufwand viel zu hoch.” Das liege an der nachgelagerten Besteuerung. Die staatlich geförderten Beträge müssen nach dem Gesetz auf einem Wohnförderkonto verbucht und dort jährlich mit zwei Prozent verzinst werden.

Ab Rentenbeginn müssen die Riester-Kunden die fiktiv aufgelaufenen Beträge dann versteuern. Jokl: “Banken dürften erst dann verstärkt in das Geschäft einsteigen, wenn die Wohn-Riester-Förderung entbürokratisiert wird.”

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